elektrische und thermische Schädigung durch Kontakt mit elektrischem Strom. Man unterscheidet Niederspannungsunfälle (< 1000 V, z. B. Haushaltsstrom) und Hochspannungsunfälle (> 1000 V, z. B. Unfälle im Bereich von Bahnhöfen, Hochspannungsanlagen). Eine Sonderform ist der Blitzschlagunfall. Das Ausmaß der Schädigung hängt ab von der Stromspannung, -art und -stärke, von der Leitfähigkeit der Haut und des Untergrundes, vom Weg des Stroms sowie seiner Ausbreitung (besondere Gefährdung im Herzbereich) und Einwirkdauer im Körper.
Befund: Bei kleinflächigem Kontakt mit Strom führenden Gegenständen zeigen sich Strommarken an der Haut. Meist an den Beugeseiten der Finger finden sich Verbrennungsschäden in Form kleiner, oft nur stecknadelkopfgroßer, rundlicher oder unregelmäßiger Hauteinsenkungen. Sie sind bräunlich bis schwärzlich verkohlt und von einem blassen Wall umgeben. Bei stärkerer Schädigung treten großflächige Verbrennungen auf. Die Muskulatur reagiert mit Verkrampfungen, die zu Muskelrissen und Knochenbrüchen führen können und bewirken, dass der Betroffene sich nicht von der Stromquelle lösen kann. Es können Herzrhythmusstörungen bis hin zum Herzstillstand auftreten, die Beeinträchtigung der Atmung äußert sich in Atemnot bis hin zum Atemstillstand. Außerdem treten Störungen des Zentralnervensystems auf wie z. B. Lähmungen, Verwirrtheit oder Bewusstlosigkeit.
Behandlung: Nach der Bergung erhält der Betroffene Sauerstoff und Infusionen sowie schmerzstillende und beruhigende Medikamente. Bei Herz- und Atemstillstand wird sofort mit der Wiederbelebung begonnen. Bei der weiteren Versorgung in der Klinik wird der Patient auf innere Verletzungen untersucht und beobachtet, da auch Stunden nach dem Stromunfall noch Herzrhythmusstörungen auftreten können. Trägt der Betroffene einen Herzschrittmacher, muss auf jeden Fall eine Schrittmacherkontrolle erfolgen.
Brockhaus Gesundheit; 30.11.2010, aktualisiert am 09.12.2010
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